Vergang, Aufführung 1995

Vergang

Gastbeitrag zum Projekt Kunstbaustelle Sand-Raum von Martin Fischer
Sommeratelier in der Shedhalle des Eisenwerks Frauenfeld
1. September 1995

Martin Fischer arbeitet mit 3 m3 Sand, den er zu verschiedensten Gebilden formt und diese wieder auflöst. An den Jours Fixes seines Sommerateliers sind Gastbeiträge vorgesehen.

Mein Beitrag an einem dieser Jours Fixes ist der Vergang, ein durch herabhängende Bastfäden auf beiden Seiten abgegrenzter Weg. Auf diesem Weg liegt fein gesiebter Sand und in diesem Sand stehen mit dem Finger eingeschriebene Texte. Die Texte sind in umgekehrter Zeilenreihenfolge geschrieben, so dass die Besuchenden im Vowärtsgehen Zeile für Zeile lesen und den Text dabei Stück für Stück verwischen – Vergang.

Die Texte thematisieren den Fluss der Zeit und die ständige Veränderung. Betrachten von aussen ist nicht möglich, weil ein Betrachtender gleichzeitig ein im Fluss befindlicher Mitschwimmender ist. Ufer, von denen aus Betrachten möglich wäre, sind eine Illusion.

Die Dokumentation ist zugegebenermassen dürftig. Das Video, das man mich auf der einen Foto aufnehmen sieht, zeigt, zumindest in meiner Erinnerung, die vom Scheinwerferlicht angeleuchteten Bastfäden golden schimmernd – es ist allerdings nicht mehr greifbar.

Die Texte in konventioneller Reihenfolge

Felle. Grundsätzliches zu Fellen.
Die Flüsse sind voll von Fellen.
Alle schwimmen; festgemacht
sind Felle nur vermeintlich.




Die Flüsse sind voll von Fellen
Alle schwimmen festgemacht

Die Ufer treiben
mit ihrem Fluss




woher denn
spräche ein Mund
Fluss zu nennen
das Leben




Fluss
das Leben
– vielleicht

Sage dagegen
die Ufer

Die Texte in Geh-Richtung

Die Zusammenstellung der an der Aufführung präsentierten Texte findet sich ebenfalls in der «Bibliothek» in der Rubrik «Sammlung/Aufführung» unter dem Titel: Vergang, Aufführung 1995.
Für die ursprüngliche Form der Zusammenstellung siehe am selben Ort die Sammlung Archimedische Gedichte, Sammlung 1994.